Montag, 24. August 2020

[Rezension] Soul of the Sword


Autorin: Julie Kagawa
dt.: Im Schatten des Schwertes (2019)
Verlag: Inkyard Press
Seiten: ca. 310
Erscheinungsdatum: Juli 2019
ISBN: 978-1-335-18499-3
Hardcover mit Schutzumschlag


Trilogie:
  • Shadow of the Fox [Rezension]
  • Soul of the Sword
  • Night of the Dragon


! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZU DEM VORGÄNGER !



Donnerstag, 20. August 2020

[Buchvorstellungen] Questions for Ada & We Are Okay

 

Questions for Ada


Autorin: Ijeoma Umebinyuo ~ selfpublished ~ 238 Seiten ~ 2016 erschienen ~ ISBN: 978-1505984347 ~ Taschenbuch


Nobody warned you
that the women whose feet
you cut from running
would give birth to
daughters with wings. (S. 24)

Dieser Gedichtband der nigerianischen Autorin Ijeoma Umebinyuo ist tatsächlich auch der erste Gedichtband, den ich gelesen habe. Und ich habe es kein bisschen bereut, denn die schmerzhaft schönen, herzenszerreißenden Gedichte verlangen danach, dass man sich Zeit für sie nimmt, jedes Wort in sich nachhallen lässt und ihre bittersüße Wirkung auf der Zunge zergehen lässt.
Ijeoma Umebinyuo zeigt, wie machtvoll Sprache sein kann, wie viel einzelne Wörter und ein bestimmter Rhythmus aussagen können, welche Kraft Absätze haben und wie zerstörerisch Buchstaben sein können.

Ich fühle mich ehrlich gesagt gar nicht in der Lage, dieses Buch zu rezensieren, aber es verdient eine Vorstellung, es verdient Aufmerksamkeit, es verdient, dass Menschen es lesen. Denn es behandelt so viele Themen - Feminismus, Depression, sexualisierte Gewalt, Rassismus und vor allem auch Kolonialismus. Die Gedichte vermitteln einen Einblick in die Lebensrealitäten nigerianischer Frauen, sie sind feministisch und entlarven gleichzeitig koloniale Strukturen.
Sie handeln von Depression, zerstörten Jugenden, schlaflosen Nächten und Selbsthass. Aber sie vermitteln auch Mut und Zuversicht, und vor allem Liebe, Liebe für alle Schwarzen Frauen, die kämpfen, die durchhalten und die nicht aufgeben, Liebe für die Schönheit Schwarzer Frauen, Liebe für Schwarze Frauen, die verletzt wurden und die heilen.

Die unglaublich schön geschriebenen Gedichte sind mal anklagend, mal liebevoll, oft traurig, aber auch hoffnungsvoll, sie erzählen mit wenigen Worten ganze Geschichten und entfesselten Emotionen in mir, sodass ich, wenn ich es mit einem Wort beschreiben würde, heart-breaking wählen würde. Aber es mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen haben werde.


We Are Okay


Autorin: Nina LaCour ~ dt. Alles okay (2019) ~ Verlag: Penguin Books ~ 256 Seiten ~ 2017 erstmals erschienen ~ ISBN: 978-0-14-242293-9 ~ Taschenbuch


Marin wird die Winterferien ganz allein auf dem Campus verbringen. Aber erst muss sie den dreitägigen Besuch ihrer besten Freundin Mabel hinter sich bringen, mit der sie seit Monaten nicht mehr geredet hat. Und sich damit endlich damit auseinandersetzen, was geschehen ist ...

Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so zerstören würde, aber das hat es. Von dem Erzähltempo her ist es eher ruhig, es gibt immer wieder Rückblenden zu dem letzten Sommer, viel spielt sich in den Erinnerungen ab, aber die Emotionen, die diese Geschichte entfaltet, sind umso kraftvoller und haben mich vollkommen mitgenommen.
Es geht viel um Verlust und um Einsamkeit, aber auch um Freundschaft und Liebe, die Geschichte ist melancholisch, wehmütig und leicht poetisch. Und ich als Leserin konnte all die Gefühle in Marin hautnah mitfühlen, was das Buch zu so einer eindrücklichen Lektüre macht, die mitten ins eigene Herz trifft.

Weiterer Pluspunkt ist, dass die Protagonistin lesbisch ist (und die Autorin Own Voice) und ihre beste Freundin latinx. Und das ganz selbstverständlich Teil von ihnen ist.
Generell sind die Beziehungen aber auch so wunderschön dargestellt, überhaupt der Weg zur Heilung, Unsicherheiten, Ängste, aber auch Hoffnung. Nichts wirkt überzeichnet, sondern wie aus dem Leben gegriffen. Daneben war ich fasziniert von Marins Liebe zur Interpretation von Literatur während ihrer Schulzeit - etwas, was ich teilweise im Unterricht eher ermüdend fand, wurde hier so gezeigt, dass ich die Begeisterung absolut verstehen konnte und selbst einen neuen Blick darauf erhielt.

Samstag, 15. August 2020

Rückblick Juni 2020

Hallöchen,

mir ist dann mal eingefallen, dass hier ja immer noch ein Monatsrückblick aussteht. (Also eigentlich zwei, aber pscht.) Von daher hol ich das mal schleunigst nach. ^^

Gelebt:


Im Juni habe ich meine Bachelorarbeit angemeldet und hatte auch sonst viel Uni um die Ohren - aber vor allem die Bachelorarbeit. Ich hab so langsam wieder angefangen, Menschen im Real Life zu treffen, was wunderschön war. Ich hab gemerkt, wie sehr ich das vermisst habe, aber auch, dass ich soziale Interaktion längst nicht mehr so gewohnt bin und meine soziale Energie gefühlt viel schneller erschöpft ist. Trotzdem - es hat mir definitiv gefehlt.

Gebloggt:


Ich hatte mal wieder einen Einbruch, was die Energie zum Bloggen anging - irgendwie konnte ich mich einfach nicht so wirklich dazu aufraffen, obwohl ich es vermisst habe. Ich schieb es mal auf den Bachelorarbeitsstress. :D

Geschrieben:


Ich hab mein NaNo-Projekt endlich mal beendet - yippie - und dann für die Bachelorarbeit erst mal eine Schreibpause eingelegt. Damit habe ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder ein Projekt in der Rohfassung beendet, was ein extrem schönes Gefühl war!

Gelesen:


Äh ... Eventuell habe ich Lesen als meine Prokrastinationsquelle Nr. 1 entdeckt oder vielleicht lag es auch daran, dass ich dank Corona die ganze Zeit zuhause rumhing, aber ich habe tatsächlich ganze zwölf Bücher gelesen - davon zehn auf Englisch und fünf Re-Reads.
Tbf, darunter waren zwei Reihen, die ich in einem Zug durchgelesen habe. Trotzdem weiß ich wirklich nicht, wie das passiert ist. :D Aber was mich sehr freut - es sind extrem viele Highlights dabei.


  
The Mark of Athena ~ The House of Hades ~ The Blood of Olympus ~ Rick Riordan  [Reihenvorstellung]

Nachdem ich im Mai ja schon die ersten beiden Bände der "The Heroes of Olympus"-Reihe re-readet habe, folgten logischerweise die nächsten drei. Auch hier habe ich es geliebt, zu Percy und Co. zurückzukehren und mich von dem lockeren, sarkatischen Schreibstil unterhalten zu lassen.
Dabei habe ich festgestellt, dass der vierte Band mein Lieblingsteil ist und ich dafür beim fünften fast alles vergessen habe, was passiert ist, und das Ende immer noch nicht so wirklich überzeugend finde. Generell finde ich die Handlung nicht so genial wie bei der Percy Jackson-Reihe und gerade auch die Liebesgeschichten (ausgenommen selbstverständlich Percabeth) nicht ganz so nachvollziehbar, auch wenn es Rick Riordan wieder gelungen ist, individuelle, diverse Persönlichkeiten zu schaffen - womit er sich immer noch im Vergleich zu anderen Büchern des Genres abhebt.



Wozu wir fähig sind ~ Leila El Omari  [Rezension

Dieser Jugendthriller war leider das schwächste Buch des Monats. Er konnte mich zwar eindeutig unterhalten und ich fand die Idee sehr faszinierend, fand aber, sie hätte mehr ausgebaut werden und mehr Tiefe erhalten können.

Nevernight ~ Jay Kristoff  [Rezension]

Dieses Buch war dagegen wie erhofft ein Highlight. Dark Fantasy mit Assassinen, moralisch grauen Charakteren und Humor trifft genau meinen Geschmack. Ich war absolut beeindruckt von dem tiefgründigen World Building des Autors, dem wunderschönen Schreibstil und den tiefgründigen Charakteren. Und auch von dem komplexen Plot und den unerwarteten Twists dieser düsteren Handlung, die mich absolut an die Seiten gefesselt hat.



The Falconer [Rezension] ~ The Vanishing Throne [Rezension] ~ The Fallen Kingdom ~ Elizabeth May

Ich habe die ersten beiden Bände dieser Steampunk-Trilogie vor einiger Zeit auf Deutsch gelesen. Nachdem die Reihe jedoch nicht weiter übersetzt wurde,  habe ich sie mir noch mal im Original geholt und dann an einem Wochenende verschlungen.
Ich kann sie nur sehr empfehlen, wenn ihr auf düstere Fantasy mit tiefgründigen Kick Ass-Heldinnen, Humor und fesselnder Action steht. Was ich an der Reihe auch sehr mochte, war die Einwebung schottischer Feenmythen. Ebenso wie die Aufbrechung jeder Gut-Böse-Unterscheidung, da man am Ende irgendwie alle Handlungen fast nachvollziehen kann. Und was mich extrem gefreut hat, war, dass ein paar Nebencharaktere lesbisch waren, auch wenn das erst im finalen Band zutage tritt.
Ansonsten habe ich aber auch den Plot geliebt, der voller unerwarteter Wendungen und Twists ist, sodass ich fast traurig bin, dass ich das nicht nochmal miterleben kann. Oder die Charaktere. Und eine Liebesgeschichte gibt es selbstverständlich auch. Insgesamt wusste ich wieder, weshalb ich die ersten beiden Bände geliebt habe, und kann die ganze Trilogie als Highlight verbuchen.



Deutschland Schwarz Weiß ~ Noah Sow  [Buchvorstellung]

Dieses Buch wollte ich gefühlt seit Ewigkeiten lesen und habe es im Juni endlich mal geschafft, es mir auszuleihen. Die Autorin erklärt sehr anschaulich Alltagsrassismus in Deutschland, erklärt, wie Rassismus funktioniert, und was an den verschiedenen Aspekten so problematisch ist.
Ingesamt also eine sehr informative Lektüre, die sich daneben auch sehr flüssig lesen ließ.




The Foxhole Court ~ The Raven King ~ The King's Men ~ Nora Sakavic [Reihenvorstellung]

Ah, meine neue Obsession.
Ungewöhnlich für mich habe ich die Reihe als E-Book gelesen, nachdem sie mir von einer Freundin ans Herz gelegt wurde und es den ersten Band kostenlos gab. Ich hab ganz unschuldig angefangen und dann die komplette Reihe innerhalb von drei Tagen inhaliert, weil ich komplett abhängig davon geworden bin. 
Sie ist düster, brutal und nicht immer unproblematisch, die Charaktere haben alle einen schwierigen Hintergrund und sind dysfunktional und Probleme werden gerne mal mit Gewalt geklärt, aber gleichzeitig sind die Charaktere unfassbar gut gezeichnet, und die Beziehungen zwischen ihnen und vor allem die Entwicklung dieser ist genial. Und diese Emotionen ...
Ich bin immer noch nicht wirklich von der Reihe losgekommen und würde sie am liebsten direkt nochmal re-readen, und kann auch immer noch nicht so genau sagen, was diesen Sog ausmacht, nur dass er da ist und ich die Reihe gefühlt allen Menschen empfehle, denen ich begegne. :D



Habt ein schönes Wochenende! ♥
Eure Dana


Quelle Cover der "All for the Game"-Reihe: Goodreads

Dienstag, 11. August 2020

[Rezension] Red, White & Royal Blue


Autor*in: Casey McQuiston
dt. Royal Blue (2020)
Verlag: St. Martin's Griffin
Seiten: 432
Erscheinungsdatum: 14.05.2019
ISBN: 978-1-250-31677-6
Taschenbuch


TW: (Anklicken zum Aufklappen)

Homophobie, Tod einer nahestehenden Person, Panikattacken, Depression, Drogenmissbrauch, Alkoholkonsum (keine Gewähr auf Vollständigkeit)



Inhalt:

Alex ist der Sohn der Präsidentin der USA. Seine Feindschaft mit dem britischen Prinzen Henry ist weitbekannt, doch als der Streit auf einer königlichen Hochzeit eskaliert, wird Alex dazu gezwungen, ein Wochenende in London zu verbringen und eine enge Freundschaft vorzutäuschen. Und vielleicht hat er sich in seinem Bild von dem langweiligen, überheblichen Prinzen ja auch getäuscht ...

Freitag, 7. August 2020

Wie politisch lesen wir?




"Und was machst du so in deiner Freizeit?" - "Lesen."

Je nachdem, in welchem Kontext dieser Austausch stattfindet, erweckt die Antwort eine gewisse Erwartungshaltung. Zwischen zwei Schüler*innen denkt man vielleicht noch am ehesten an Jugendbücher. Zwischen zwei Studierenden erwartet man vielleicht schon eher das, wovon ich das Gefühl habe, dass es gemeingesellschaftlich als "belesen" angesehen wird.

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber wenn ich an eine belesene Person denke, kommen mir als Erstes Genres wie Belletristik (also im Prinzip das, was im Feuilleton rezensiert und mit Literaturpreisen überschüttet wird), Klassiker und non-fiction in den Kopf. Alles im Übrigen Genres, in denen Männer dominieren, während Genres, die überwiegend von Frauen geschrieben werden - Liebesromane, Young Adult - meist mit einem nachsichtigen Lächeln als "Unterhaltungsliteratur" abgetan werden, gerne auch noch mit Attribut "trivial". 
Wir könnten jetzt darüber diskutieren, wie Genres hoch- oder eben abgewertet werden, abhängig davon, welches Geschlecht die Autor*innenschaft dominiert, inwieweit das Geschlechterrollen und -hierarchien widerspiegelt und warum es alles anderes als trivial ist, ein Jugendbuch zu schreiben, vor allem wenn dieses Themen wie Coming-of-Age, Mental Health und Sexualität behandelt, aber das wäre genug Stoff für einen eigenen Beitrag, der Fokus hier liegt erst mal woanders.

Bei mir kam dieses Gespräch nämlich letztens mit einer fremden Person auf. Als ich sie fragte, was genau sie denn so lese, nannte sie "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells (das soll überhaupt keine Wertung dieses Buches sein, das liegt nämlich ungelesen bei mir herum) und non-fiction. Belletristik und (gerne auch politische) non-fiction - nicht selten die Antwort, die ich auf diese Frage erhalte, wenn ich beispielsweise im Kontext von WG-Castings nachfrage.
Also vielleicht genau das, was wir typischerweise unter belesen verstehen, wie man sich so eine*n belesene*n Student*in eben vorstellt.

Ich beantwortete die Gegenfrage aber anders. "Fantasy", sagte ich, wahrheitsgemäß, man braucht sich nur die Statistiken meines letzten Jahresrückblicks anzuschauen. Und wappnete mich innerlich für die Reaktion, die ich erwartete - ein nachsichtiges Lächeln, verbunden mit dem Image als Unterhaltungsliteratur, das Fantasy dann doch eben wieder hat.
Sie nahm Bezug auf meine Studienfächer (Anthropologie, Politikwissenschaft): "Ach, das ist bestimmt super, um mal Abstand zu dem Politischen zu gewinnen und den Kopf freizukriegen."

Ha. Haha. Nein.

Wenn ich ehrlich bin, ist Lesen für mich eins der politischsten Dinge in meinem Alltag geworden. Das geht mit Sicherheit nicht allen so und hängt eng damit zusammen, in welchen Bereichen der Buchcommunity man sich bewegt, und in meinem Fall auch damit, was ich studiere.
Allerdings: Die Buchblogger*innenszene hat mich auch politisch geprägt. Dadurch, dass ich hierüber schon vor meinem Studium mit Diskussionen um Themen wie Feminismus oder Repräsentation in Berührung kam. Deswegen zu gendern anfing. Und dadurch, dass diese Themen auch innerhalb der Branche an Bedeutung gewinnen.

Diskussionen um Diversität in Bücher und Repräsentation, um Sexismus und Rassismus, um die Darstellung problematischer und toxischer Verhaltensweisen und Beziehungen - das sind Diskussionen, die für mich vor allem auch in Bezug auf Fantasy stattfinden und dafür sorgen, dass Lesen für mich eben kein politikfreier Raum ist - im Gegenteil.
Stattdessen denke ich beim Lesen darüber nach, wie Geschlechterrollen, Hautfarben, Sexualitäten, (Dis-)Ability und Geschlechter dargestellt werden, ob die Darstellung von Liebesgeschichten und Verhalten toxisch oder problematisch ist, wie Themen wie Mental Health oder Gewalt umgesetzt werden, wo Gesellschaftskritik mitschwingt, ... Daran anschließend stehen Diskussionen um bestimmte Bücher und Darstellungen, darum, wie beispielsweise Repräsentation besser gemacht werden kann, wie Themen gesund umgesetzt werden sollten und so weiter.

Gerade im Fantasy-Bereich kommt dann noch die Dimension der Herrschafts- und Gesellschaftsformen der High Fantasy-Welten hinzu. Wie wird Macht verteilt, wie sind gesellschaftliche Gruppen gestellt, welche Rollen haben Frauen, gibt es BIPoC und welche Stellung haben sie, ist die Gesellschaft heteronormativ und/oder binär oder nicht ....
Klar, da spielt mit rein, was ich studiere, da spielen meine Interessen rein, aber meiner Meinung nach kann Fantasy gar nicht unpolitisch sein.

Die Entscheidung, Diversität zu inkludieren oder eben nicht, ist politisch. Die Entscheidung, wie Machtverhältnisse (zwischen Geschlechtern, Rassifizierungen, sexuellen Orientierungen ...) dargestellt werden, ist politisch. Die Entscheidung, wie Stereotypen reproduziert werden, ist politisch. Die Entscheidung, wie eine fiktive Gesellschaft gestaltet wird, ist politisch.

Denn in der Darstellung schwingt eine Verantwortung mit. Gegenüber marginalisierten Gruppen. Und generell gegenüber den Leser*innen, wenn man Stereotypen forciert oder hinterfragt, wenn man toxische Beziehungen romantisiert (auch das eigentlich ein Thema für einen eigenen Beitrag) oder gesunde Beziehungen darstellt. Und so weiter.

Und das gilt eben besonders auch für Fantasy, wenn fiktive Gesellschaften entworfen werden, wenn es um Kriege, Konflikte und Gewalt geht, um Kämpfe, und, und, und. Und macht nicht genau das auch das Genre aus? Die vielfältigen Möglichkeiten, Dinge auch mal anders zu gestalten? Indem eine High Fantasy-Welt zum Beispiel nicht nur zwei Geschlechter kennt, indem dort andere Sexualitäten selbstverständlich sind?

Kann Lesen so für mich dann überhaupt Realitätsflucht sein? Auf der einen Seite nein, denn Geschichten spiegeln immer unsere eigene Gesellschaft und unsere eigenen Vorstellungen wider, sie entstehen nicht im luftleeren Raum und sie beeinflussen uns und unsere Vorstellungen, zum Beispiel auch in Bezug auf Stereotype. Auf der anderen Seite bietet gerade Fantasy aber auch die Möglichkeit zu neuen Vorstellungen, zur Erschaffung anderer Welten mit anderen Machtverhältnissen.
Und lieben wir das Genre nicht genau dafür auch ein bisschen? Weil alles möglich ist?

Und nur weil ich mir darüber Gedanken mache, verliere ich ja nicht den Spaß an einer epischen Story. Im Gegenteil, meist macht ein diverser und reflektierter Ansatz sie nur umso besser, gerade wenn sie mit den Möglichkeiten spielt.

Fantasy ist für mich politisch.
Aber sie umfasst genauso geniale Plots, tiefgründige und komplexe Charaktere, epische Kämpfe, mitreißende Magie, fesselnde Spannung, Schwertkämpfe, Intrigen, Schicksale ....... Fantasy kann eben beides. Und dafür liebe ich dieses Genre.


Was denkt ihr dazu? Was würdet ihr gerne mehr in Fantasywelten sehen? Und wie viel achtet ihr auf sowas?

Dienstag, 4. August 2020

[Rezension] One True Queen - Aus Schatten geschmiedet


Autorin: Jennifer Benkau
Verlag: Ravensburger
Seiten: 544
Erscheinungsdatum: 2020
ISBN: 978-3-473-40184-0
Gebunden mit Schutzumschlag; 18,99€


One True Queen-Dilogie:
  • Von Sternen gekrönt [Rezension]
  • Aus Schatten geschmiedet


TW: (zum Aufklappen anklicken)

PTBS, Tod einer nahestehenden Person, Folter, Gewalt, psychische Folter, Tod



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