Freitag, 7. August 2020

Wie politisch lesen wir?




"Und was machst du so in deiner Freizeit?" - "Lesen."

Je nachdem, in welchem Kontext dieser Austausch stattfindet, erweckt die Antwort eine gewisse Erwartungshaltung. Zwischen zwei Schüler*innen denkt man vielleicht noch am ehesten an Jugendbücher. Zwischen zwei Studierenden erwartet man vielleicht schon eher das, wovon ich das Gefühl habe, dass es gemeingesellschaftlich als "belesen" angesehen wird.

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber wenn ich an eine belesene Person denke, kommen mir als Erstes Genres wie Belletristik (also im Prinzip das, was im Feuilleton rezensiert und mit Literaturpreisen überschüttet wird), Klassiker und non-fiction in den Kopf. Alles im Übrigen Genres, in denen Männer dominieren, während Genres, die überwiegend von Frauen geschrieben werden - Liebesromane, Young Adult - meist mit einem nachsichtigen Lächeln als "Unterhaltungsliteratur" abgetan werden, gerne auch noch mit Attribut "trivial". 
Wir könnten jetzt darüber diskutieren, wie Genres hoch- oder eben abgewertet werden, abhängig davon, welches Geschlecht die Autor*innenschaft dominiert, inwieweit das Geschlechterrollen und -hierarchien widerspiegelt und warum es alles anderes als trivial ist, ein Jugendbuch zu schreiben, vor allem wenn dieses Themen wie Coming-of-Age, Mental Health und Sexualität behandelt, aber das wäre genug Stoff für einen eigenen Beitrag, der Fokus hier liegt erst mal woanders.

Bei mir kam dieses Gespräch nämlich letztens mit einer fremden Person auf. Als ich sie fragte, was genau sie denn so lese, nannte sie "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells (das soll überhaupt keine Wertung dieses Buches sein, das liegt nämlich ungelesen bei mir herum) und non-fiction. Belletristik und (gerne auch politische) non-fiction - nicht selten die Antwort, die ich auf diese Frage erhalte, wenn ich beispielsweise im Kontext von WG-Castings nachfrage.
Also vielleicht genau das, was wir typischerweise unter belesen verstehen, wie man sich so eine*n belesene*n Student*in eben vorstellt.

Ich beantwortete die Gegenfrage aber anders. "Fantasy", sagte ich, wahrheitsgemäß, man braucht sich nur die Statistiken meines letzten Jahresrückblicks anzuschauen. Und wappnete mich innerlich für die Reaktion, die ich erwartete - ein nachsichtiges Lächeln, verbunden mit dem Image als Unterhaltungsliteratur, das Fantasy dann doch eben wieder hat.
Sie nahm Bezug auf meine Studienfächer (Anthropologie, Politikwissenschaft): "Ach, das ist bestimmt super, um mal Abstand zu dem Politischen zu gewinnen und den Kopf freizukriegen."

Ha. Haha. Nein.

Wenn ich ehrlich bin, ist Lesen für mich eins der politischsten Dinge in meinem Alltag geworden. Das geht mit Sicherheit nicht allen so und hängt eng damit zusammen, in welchen Bereichen der Buchcommunity man sich bewegt, und in meinem Fall auch damit, was ich studiere.
Allerdings: Die Buchblogger*innenszene hat mich auch politisch geprägt. Dadurch, dass ich hierüber schon vor meinem Studium mit Diskussionen um Themen wie Feminismus oder Repräsentation in Berührung kam. Deswegen zu gendern anfing. Und dadurch, dass diese Themen auch innerhalb der Branche an Bedeutung gewinnen.

Diskussionen um Diversität in Bücher und Repräsentation, um Sexismus und Rassismus, um die Darstellung problematischer und toxischer Verhaltensweisen und Beziehungen - das sind Diskussionen, die für mich vor allem auch in Bezug auf Fantasy stattfinden und dafür sorgen, dass Lesen für mich eben kein politikfreier Raum ist - im Gegenteil.
Stattdessen denke ich beim Lesen darüber nach, wie Geschlechterrollen, Hautfarben, Sexualitäten, (Dis-)Ability und Geschlechter dargestellt werden, ob die Darstellung von Liebesgeschichten und Verhalten toxisch oder problematisch ist, wie Themen wie Mental Health oder Gewalt umgesetzt werden, wo Gesellschaftskritik mitschwingt, ... Daran anschließend stehen Diskussionen um bestimmte Bücher und Darstellungen, darum, wie beispielsweise Repräsentation besser gemacht werden kann, wie Themen gesund umgesetzt werden sollten und so weiter.

Gerade im Fantasy-Bereich kommt dann noch die Dimension der Herrschafts- und Gesellschaftsformen der High Fantasy-Welten hinzu. Wie wird Macht verteilt, wie sind gesellschaftliche Gruppen gestellt, welche Rollen haben Frauen, gibt es BIPoC und welche Stellung haben sie, ist die Gesellschaft heteronormativ und/oder binär oder nicht ....
Klar, da spielt mit rein, was ich studiere, da spielen meine Interessen rein, aber meiner Meinung nach kann Fantasy gar nicht unpolitisch sein.

Die Entscheidung, Diversität zu inkludieren oder eben nicht, ist politisch. Die Entscheidung, wie Machtverhältnisse (zwischen Geschlechtern, Rassifizierungen, sexuellen Orientierungen ...) dargestellt werden, ist politisch. Die Entscheidung, wie Stereotypen reproduziert werden, ist politisch. Die Entscheidung, wie eine fiktive Gesellschaft gestaltet wird, ist politisch.

Denn in der Darstellung schwingt eine Verantwortung mit. Gegenüber marginalisierten Gruppen. Und generell gegenüber den Leser*innen, wenn man Stereotypen forciert oder hinterfragt, wenn man toxische Beziehungen romantisiert (auch das eigentlich ein Thema für einen eigenen Beitrag) oder gesunde Beziehungen darstellt. Und so weiter.

Und das gilt eben besonders auch für Fantasy, wenn fiktive Gesellschaften entworfen werden, wenn es um Kriege, Konflikte und Gewalt geht, um Kämpfe, und, und, und. Und macht nicht genau das auch das Genre aus? Die vielfältigen Möglichkeiten, Dinge auch mal anders zu gestalten? Indem eine High Fantasy-Welt zum Beispiel nicht nur zwei Geschlechter kennt, indem dort andere Sexualitäten selbstverständlich sind?

Kann Lesen so für mich dann überhaupt Realitätsflucht sein? Auf der einen Seite nein, denn Geschichten spiegeln immer unsere eigene Gesellschaft und unsere eigenen Vorstellungen wider, sie entstehen nicht im luftleeren Raum und sie beeinflussen uns und unsere Vorstellungen, zum Beispiel auch in Bezug auf Stereotype. Auf der anderen Seite bietet gerade Fantasy aber auch die Möglichkeit zu neuen Vorstellungen, zur Erschaffung anderer Welten mit anderen Machtverhältnissen.
Und lieben wir das Genre nicht genau dafür auch ein bisschen? Weil alles möglich ist?

Und nur weil ich mir darüber Gedanken mache, verliere ich ja nicht den Spaß an einer epischen Story. Im Gegenteil, meist macht ein diverser und reflektierter Ansatz sie nur umso besser, gerade wenn sie mit den Möglichkeiten spielt.

Fantasy ist für mich politisch.
Aber sie umfasst genauso geniale Plots, tiefgründige und komplexe Charaktere, epische Kämpfe, mitreißende Magie, fesselnde Spannung, Schwertkämpfe, Intrigen, Schicksale ....... Fantasy kann eben beides. Und dafür liebe ich dieses Genre.


Was denkt ihr dazu? Was würdet ihr gerne mehr in Fantasywelten sehen? Und wie viel achtet ihr auf sowas?

18 Kommentare

  1. Hi Dana!

    Haha, da musste ich auch grade lachen - klar liest man auch (zumindest ich) um den Kopf freizubekommen bzw. frei von MEINEN Alltagsproblemen, aber politisch oder gesellschaftlich relevant sind sehr viele Bücher in sehr vielen unterschiedlichen Genren!
    Hinter jedem Buch steht ja ein Autor/eine Autorin mit einer bestimmten Meinung, die sie natürlich in ihre Geschichte einfließen lassen, ob gewollt oder unbewusst.

    Und ja, grade im Fantasybereich mit den Gesellschaften und Kriegen um Macht, oder auch eben in Dystopien, Science FictionSzenarien, da ist das fast immer ein zentrales Thema! Dieses "Belächeln" wenn man was nicht kennt ist aber leider weit verbreitet und finde ich doof ^^

    Ich weiß ja nicht, was Leute mit Fantasy verbinden wenn sie sowas noch nie gelesen haben, selbst in Harry Potter sind eine Menge gesellschaftlich relevanter Themen integriert, überhaupt wenn ich drüber nachdenke fallen mir soooo viele Bücher ein in denen es gerade darum geht!

    Ich lese keine Sachbücher oder extra Geschichten die damit zu tun haben, das ist mir einfach zu zäh, aber ich denke dass ich auch viel in der Richtung durch die anderen Geschichten aufnehme und auch neue Blickpunkte kennenlerne.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo liebe Aleshanee,

      da gebe ich dir Recht, jede Geschichte ist am Ende von den Meinungen und Positionen der*des Autor*in gefärbt!

      Genau! Gerade bei Fantasy und Science Fiction geht es ja teilweise auch um Politik, deswegen verstehe ich nicht, wieso das nicht mehr wertgeschätzt wird? Es bietet auch einfach so viel Raum für Gedankenspiele!
      Wenn man mit Fantasy nichts anfangen kann, ist das ja okay, aber es deswegen gleich so belächelnd zu betrachten?

      Und ja, das mag ich auch gerade - dass man sich mit politischen Themen beschäftigen kann UND unterhalten wird!

      Liebste Grüße zurück! :)

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    2. Schönen guten Morgen!

      Ich hab deinen Beitrag heute gerne in meiner Stöberrunde geteilt!

      Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Huhu :)
    super Beitrag! Ich denke ja, dass eigentlich jedes Buch politisch ist. Klar, manche mehr oder weniger, aber im Prinzip spielen in jedem Buch die (politischen) Ansichten der Autoren mit. Wie nehmen sie die Welt war und was erwarten sie von ihrer eigenen? Wie gestalten sie diese?
    Unpolitische Bücher gibt es meiner Meinung gar nicht, denn irgendwo ist ja alles irgendwie politisch. Ich denke, dass die Art und Weise wie wir die Bücher lesen und wahrnehmen das tatsächlich Ausschlaggebende ist. Bücher, die ich mit 14 gelesen habe, nehme ich heute ganz anders war. Mein Umfeld hat sich verändert, ich habe mich weiterentwickelt, manche Dinge, die mir damals gar nicht aufgefallen sind, fallen mir jetzt umso mehr auf. Und schließlich lässt sich ein Leser auch in gewissem Grade vom Buch beeinflussen. Vielleicht nicht auf Dauer, vielleicht aber denkt ein Buch dann doch zum Nachdenken an.
    Was ich damit sagen will: ein unpolitisches Buch gibt es nicht. Das, was es für uns politisch macht, ist, wie wir damit umgehen.

    Und was Fantasywelten angeht... ich liebe komplexe Welten mit einem ausgeklügelten sozialen System. Ich finde das immer super spannend zu lesen und solche Welten sind mit meine liebsten :)

    Wirklich interessanter Post :)
    Liebste Grüße & schönes Wochenende

    Kat

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    1. Hey Kat,

      dankeschön! :)

      Absolut, ich stimme dir hundertprozentig zu!
      Und ja, meine Wahrnehmung hat sich auch definitiv verändert. Einiges, was ich heute problematisch finde, ist mir früher auch gar nicht aufgefallen. Weshalb ich es teilweise schwieriger finde, Position zu Büchern zu beziehen, die ich vor langer Zeit gelesen habe, andererseits ist es auch schön, die Entwicklung zu verfolgen.
      Dass Leser*innen von Büchern beeinflusst werden, finde ich gleichermaßen unheimlich wie schön, je nach betreffendem Thema, aber es enthält für Autor*innen ja auch irgendwie Chancen. ^^

      Oh ja, ich auch! *-* Gerade, wenn sie vom typisch westlichen bekannten System abweichen. ^^

      Danke, dir auch noch einen schönen Restsonntag! ♥

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  3. Hi liebe Dana,

    sehr schöner Beitrag! Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, wie politisch ich lese. Das hat sich bei mir aber auch erst in den letzten Jahren entwickelt. Früher hätte ich mir nie Gedanken darum gemacht, ob der Inhalt z.B. sexistisch, rassistisch oder gewaltverherrlichend ist. Damals war Lesen für mich reine Unterhaltung.
    Das hat sich bei mir auch erst langsam gewandelt, v.a. dadurch, dass mein Freund politisch aktiv ist und sich sehr mit Feminismus, Diversität und Toleranz beschäftigt. Erst durch ihn habe ich auch angefangen (politische) Sachbücher zu lesen und mich intensiver mit aktuellen politischen Fragestellungen zu beschäftigen. Geht also auch abseits vom passenden Studium mit dem nötigen Interesse ganzt gut. ;D (Wobei ich mich durch mein Studium sehr mit Umweltschutz beschäftige, was ja auch poltisch sehr heikel ist... >.> Wird m.M.n. in Romanen aber sehr selten wirklich behandelt.)

    Bezogen auf die Bücher, die ich lese, habe ich das Ganze dann auch in Verbindung mit der Buch-Blogger-Blase "weiter entwickelt", da besonders in den letzten Jahren ja einige Bücher recht kontrovers diskutiert wurden und ich daraus viel für das eigene Leseverhalten mitnehmen konnte. :) Mittlerweile fallen mir daher problematische Inhalte eher auf und ich neige dann auch dazu, mich darüber aufzuregen. XD Bücher abbrechen, weil sie z.B. sexistisch sind oder toxische Beziehungen romantisieren ist für mich inzwischen normal. Früher hätte ich mir nichts dabei gedacht. :'D

    Daher finde ich die Aussage anderer, dass Fantasy oder Young Adult nur reine Unterhaltung ist, auch ätzend. :D Wie du schon schreibst, sind gerade bei High-Fantasy-Romanen mit komplexen selbsterschaffenen Welten auch politische Fragen relevant. Die manchmal auch viel über den*die Autor*in aussagen können.

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hey liebe Alica,

      dankeschön!

      Ja, bei mir hat sich das auch erst entwickelt, als in der Buchblogger*innenszene die Diskussionen präsenter wurden, und dann noch mal mehr, je weiter mein Studium voranschreitet.
      Non-fiction habe ich abseits der Uni bisher eher weniger gelesen, was sich dieses Jahr aber eindeutig verändert hat und was ich definitiv weiter ausbauen möchte! Und klar, das Interesse klappt auch ohne zugehörigem Studium, das wollte ich auch gar nicht anzweifeln, aber in meinem Fall prägt es mich halt noch mal zusätzlich. ^^

      Und stimmt, Umweltschutz wird oft nur als Liebe zur Natur, aber selten prägnant behandelt. (Hast du "Wolkendämmerung" von Julia Dibbern gelesen? Da wird das mal etwas politischer umgesetzt.)

      Oh ja, ich habe mittlerweile auch überhaupt keine Lust mehr, Bücher mit toxischen Beziehungen zu lesen (es sei denn, es ist bewusst so umgesetzt), was mir früher nicht mal als problematisch aufgefallen wäre ...

      Deswegen mag ich es, dass die politische Seite dieser Genres innerhalb der Buchbubble oft diskutiert wird, aber umso mehr nervt mich die teilweise herablassende Betrachtung außerhalb ...

      Alles Liebe! ♥♥♥

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  4. moin, ich habe mich gerade sehr über diesen Beitrag gefreut und werde ihn bestimmt noch der ein oder anderen Person schicken :)

    es ist doch vor allen Dingen eine Frage der Bereitschaft des Lesers, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Und eben auch vor allen mit den Themen, die nicht explizit angesprochen werden. Die Book community trägt vermutlich bei vielen in ihr aktiven Lesern dazu bei, aufmerksamer zu lesen und auf diversity and representation etc zu achten.
    Ich habe dieses Jahr sogar schon Romance Bücher (das gefühlt am meisten abgewertete Genre) gelesen, die Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgearbeitet haben, in denen dem männliche Love Interest (neu in der Firma) dann z.B. nach und nach aufgefallen ist, dass er vom Boss eben doch anders behält als die in der Firma etablierte Protagonistin. Ganz zu schweigen von den diversen Romance-Büchern, die Gender, Sexualität oder Hautfarben thematisieren. Und dadurch eben auch normalisieren, und damit eine fast noch wichtigere Rolle spielen als non-fiction Bücher, bei denen sich der Leser viel besser vom Thema distanzieren kann.

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    1. Hallo Lea,

      oh, vielen Dank, das freut mich!! *o*

      Das stimmt. Und ich finde es toll, dass die Buchcommunity gerade dazu anregt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, weil sie in Medien halt auch relevant sind.
      Und ja, auch Romance kann super viele wichtige Themen behandeln - und tut es oft auch. Ich meine, ich bin keine Romance-Leserin, aber viele Geschichten behandeln mehr als die eigentliche Liebesgeschichte. Und guter Punkt, dass man sich weniger distanzieren kann - dass man gerade an Charakteren dran ist, eröffnet auch extrem viele Möglichkeiten!

      Liebe Grüße <3

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  5. Hallo Dana,

    ein toller und wichtiger Beitrag! Ich habe auch oft die Erfahrung gemacht, dass Fantasy und Jugendliteratur allgemein belächelt wird, wenn man Mitte 20 ist und immer noch " so leichte Literatur zum Vergnügen" liest statt auch in der Freizeit Fach- und Sachbücher zu lesen. Oder wenn Unterhaltung, dann zumindest (moderne) Klassiker.
    Aber selbst, dass noch so oberflächlich oder unterhaltsam scheinende Bücher auch immer Botschaften auf den Weg geben, über bisher unbekannte Themen informieren und Denkanstöße geben, wird meistens gar nicht bedacht. Mit Fantasy und den Macht- und Herrschaftsstrukturen gibst du ein super Beispiel, z. B. in einem Buch von Kira Gembri habe ich viel über den Umgang mit Gehörlosen gelernt, ich weiß viel über Trauerbewältigung, "The hate u give" hat mich über Rassismus informiert und Thriller informieren mich ein Stück weit über Ermittlungsarbeit bei der Polizei.
    Natürlich können solche Sachverhalte in fiktiven Büchern verzerrt, überspitzt oder teilweise erfunden sein, aber dennoch haben sie für mich Gehalt und bilden mich in ganz unterschiedlichen Bereichen, ganz ohne dass ich das Gefühl habe, mich durch einen trockenen Wälzer zu arbeiten...

    Liebe Grüße
    Fina

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    1. Hallo liebe Fina,

      dankechön! <3
      Ich hab teilweise gerade im akademischen Kontext das Gefühl, dass andere Studierende fast erwarten, dass man nur hochliterarischen Kram und non-fiction liest, und gar nicht bereit sind, die politische Komponente von Unterhaltungsliteratur zu sehen ... (Man könnte jetzt überlegen, ob da irgendwo auch Klassismus reinspielt ...)
      Genau! Solche Themen können auch super anschaulich vermittelt werden, und nicht zuletzt bieten Bücher auch die Möglichkeit, die Lebensrealitäten marginalisierter Personen abzubilden, ohne die Marginalisierung ausschließlich zu thematisieren ...

      Liebe Grüße! ♥

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  6. BAMM!

    Liebe Dana,

    danke für diesen großartigen Beitrag, dem ich mich nur aus vollstem Herzen anschließen kann! Ich studiere bzw. jetzt studierte ja auch Politik und auch bei mir ist das Hauptgenre (noch?) Fantasy und bekomme dieses "Willst du nicht mal was richtiges lesen?" oder "Achso ja klar, Fantasy, um mal zu entspannen, nix Politisches halt" auch zu hören. Als ich 15/16 war, mag das gestimmt haben. Mit Bachelor und 21 Jahren aber definitiv nicht mehr. Ich bin viel sensibilisierter, bewusster und lese genau wie du aufmerksam in puncto (dis)ability/queerness/Geschlechterrollen/Machtverhältnisse und v. a. auch toxische Beziehungen ^^

    Riesen Danke also an dich für den wichtigen Beitrag; den ich auch gleich in meine Schatztruhe aufnehme ♥

    Liebe Grüße
    Ronja von oceanloveR

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    1. Hallo liebe Ronja,

      danke für deine Rückmeldung, es freut mich, dass er dir gefällt! ♥

      Und ich habe deinen Worten eigentlich auch nichts mehr hinzuzufügen, ich stimme dir absolut zu!

      Vielen Dank auch fürs Verlinken! ♥

      Liebe Grüße!

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  7. Hallo Dana,

    früher habe ich Bücher im Genre Fantasy auch stark als Realitätsflucht wahrgenommen, aber nun hat sich meine Sichtweise über die Jahre hinweg verändert.
    Meine politische Einstellung wurde durch das Lesen von Büchern in unterschiedlichen Genres geprägt und dazu gehört auch Fantasy. Zuerst ist das unbewusst passiert, aber je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto bewusster wurde es mir. Es gibt klare Muster und Klischees, die ich oft in meinen Rezensionen kritisiere und durch den Austausch mit anderen Blogs verstärkt es sich. Deswegen sind mir auch Bücher wie "Dear Martin" und "Poet X" sehr ans Herz gewachsen. Bei Fantasy ist ja auch der Begriff Machtverteilung sehr präsent.
    Über einen Beitrag, wie Genres hoch- oder abgewertet werden würde ich mich sehr interessieren. Das Thema liegt mir sehr am Herzen, denn auch bei mir in der Familie ist diese Diskussion präsent. Manche Leute haben halt direkt ein Bild von Büchern und Genres, ohne sie genauer zu kennen.
    Ein sehr interessanter Beitrag! Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Emily

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    1. Hallo liebe Emily,

      ich glaube, in manchen Aspekten ist es für mich immer noch Realitätsflucht - inofern, als dass ich in andere Leben und Welten eintauchen kann - aber eben nicht abgekapselt von der Realität und die Realität ist weiterhin relevant.
      Die beiden von die erwähnten Bücher habe ich noch nicht gelesen, "Poet X" steht immerhin schon auf meiner Wunschliste, "Dear Martin" werde ich mir definitiv einmal anschauen!
      Und danke für deine Rückmeldung, ich werd die Postidee im Hinterkopf behalten und vielleicht schaff ich es in den nächsten Wochen, einen Post dazu zu schreiben! :)

      Liebe Grüße <3

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  8. Ich stimme dir völlig zu, für mich ist Lesen auch hochpolitisch, obwohl ich selten die klassischen Gesellschaftsromane lese, sondern hauptsächlich Sci Fi, New Adult und Thriller, was alles wie ich finde sehr politische Genres sind, aber eben verpackt in Unterhaltung und Spannung - und das finde ich die wahre Leistung. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen aus diesem anspruchsvolle vs unterhaltende Literatur Denken ausbrechen, denn in den meisten Büchern steckt so viel mehr. Ein sehr schöner Beitrag!

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    1. Hey,

      danke für deinen Kommentar! :)

      Und es freut mich, dass du meine Meinung teilst. ^^ Ich gebe zu, manchmal finde ich Gesellschaftsromane auch ganz interessant, dennoch lese ich sie eher selten und ich stimme dir definitiv zu - Unterhaltung und gesellschaftspolitische Themen zu kombinieren ist eben auch eine gewisse Kunst. Und ja, es wäre wundervoll, wenn wir Genres weniger elitaristisch betrachten würden. :x

      Danke! :)

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