Sonntag, 22. November 2020

[Rezension] Frankenstein


Autorin:
Mary Shelley
Verlag: Penguin
Seiten: ca. 220
Ersterscheinung: 1818 bzw. 1831
ISBN: 978-0-14-062332-1
Taschenbuch


CW: (Anklicken zum Öffnen)

Mord, Blut, Tod, Krankheit, Depression, Suizidgedanken (ohne Gewähr)



Inhalt:

Bei seiner Expedition in die Arktis sammelt ein junger Mann einen Fremden auf, gezeichnet vom Leben. Er erzählt ihm seine Geschichte - die Geschichte des jungen Frankenstein, der Leben erschaffen will und der, als es ihm gelingt, vor Entsetzen vor seiner Kreatur zurückschreckt ...

Äußere Erscheinung:

Es gibt ungefähr fünf Milliarden Augaben, aber irgendwie hat keine ein wirkliches cooles Cover - oder ich habe zumindest keine entdeckt. xD

Meine Erwartung:

Der Klassiker steht schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste, dann hab ich ihn vor kurzem auf Medimops bestellt und die verregneten Oktobertage für perfekt empfunden, um mich mit diesem Werk an die Heizung zu kuscheln.

Meine Meinung:

Nach dem Lesen würde ich das Buch definitiv zu meinen Lieblingsklassikern zählen, einfach, weil ich es gerne gelesen habe. Auch wenn ich das Ende nicht kannte, war die Handlung zwar relativ vorhersehbar, wurde jedoch dennoch im letzten Drittel doch ein wenig fesselnd, vielleicht gerade weil man ahnt, was kommt. Davon abgesehen fand ich die Geschichte vor allem faszinierend.

Ich gebe zu, so düster und gruselig die Idee ist, insgesamt kam mir das Buch weniger wie eine Horrorgeschichte als vielmehr über eine Charakterstudie über Abgründe vor, die zweifelsohne genauso schaurig sein können. 
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Spannungsaufbau, wäre das Buch heute geschrieben worden, vielleicht anders ausgesehen hätte - so wird die Geschichte im Rückblick erzählt und überhaupt schien Shelley ein Fan von Rahmenerzählungen sein, jedenfalls erzählt Frankenstein seine Geschichte dem jungen Expiditeur, der sie wiederum in Briefen an seine Schwester erzählt. xD

Bereits lange vor dem Lesen war ich mit Auseinandersetzungen dazu vertraut, wer eigentlich in dieser Geschichte das Monster ist. Daher war ich überrascht, wie viel Sympathie ich letztendlich doch Viktor Frankenstein entgegengebracht habe - genauso aber dem von ihm geschaffenen Wesen. Und das macht den Reiz dieser Geschichte auch aus: das Verwischen der Grenzen zwischen Schwarz und Weiß, die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und gerade eben auch diese Frage, was jemanden zu einem Monster macht.
Das führt zu einer unheimlich faszinierenden Darstellung, die einerseits irgendwie gesellschaftskritisch ist, andererseits aber auch wunderbar Beweggründe analysiert und am Ende die Frage offenlässt, ob das das Verhalten dennoch entschuldigt.

Der Schreibstil ist ein wenig poetisch und die Charaktere neigen zu dem typischen Überemotionalen, das mich schon bei "Die Leiden des jungen Werther" und "The Picture of Dorian Gray" fasziniert hat, was mich unweigerlich vor die Frage stellt, ob die Menschen damals wirklich so drauf waren und wir einfach abgestumpft sind. Wenn sich die Charaktere aber nicht gerade in überschwänglichen Exklamationen verstricken, lässt sich das Ganze aber relativ flüssig lesen.

Was mir auch sehr positiv aufgefallen ist, sind kleine Spitzen gegen Ständeordnung und sogar Kolonialismus, die zeigen, dass auch ein Buch aus dem 19. Jahrhundert nicht kolossal rassistisch und sexistisch sein muss (looking at you, Arthur Conan Doyle). Mit Sicherheit zeigt sich hier auch der Einfluss des Erbes der Eltern von Mary Shelley - ihr Vater William Godwin war kapitalismuskritischer Anarchist und ihre im Kindbett verstorbene Mutter war die berühmte Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft.

Fazit: Faszinierender und spannender Klassiker über menschliche Abgründe!

2 Kommentare

  1. Hey :)

    Ich hab das Buch letztes Jahr zum ersten Mal gelesen und war positiv überrascht! Ich hatte es nicht so tiefsinnig erwartet - eine wirklich ganz besondere Geschichte aus dieser Zeit!

    Von den Covern her gibts wirklich viele (schlechte), aber das vom Fischer Verlag find ich sehr cool!
    https://www.fischerverlage.de/buch/mary-shelley-frankenstein-9783596901876

    Ähnlich gemacht ist bei dem Verlag auch das von Dracula
    https://www.fischerverlage.de/buch/bram-stoker-dracula-9783596512324

    Die gefallen mir beide echt gut :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Hi liebe Dana,

    auch einer der Klassiker, die noch auf meiner Want-to-Read-Liste stehen... Allerdings habe ich aktuell so viele ungelesene Klassiker daheim, das die erstmal Vorrang haben... :'D
    Die Ausgaben von Penguin Classics mag ich übrigens optisch ganz gerne, habe selbst ein paar davon. :D

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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