Montag, 8. Februar 2021

[Rezension] Alice


 
Autorin: Christina Henry
dt.: Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland (2020)
Verlag: ACE Books/Penguin
Seiten: ca. 290
Erscheinungsdatum: August 2015
ISBN: 978-0-425-26679-3
Taschenbuch


The Chronicles of Alice-Reihe:
  • Alice
  • Red Queen
 
 
TW: (Anklicken zum Öffnen)

graphische Darstellungen sexualisierter Gewalt, graphische Darstellungen von Gewalt, Menschenhandel, Zwangsprostitution, Mord, Tod, Blut, Psychiatrie (stereotypisiert), Verlust nahestehender Personen, Folter (ohne Gewähr)


 
Triggerwarnung für diese Rezension: Besprechung sexualisierter Gewalt


Inhalt:

Seit zehn Jahren sitzt Alice in der Psychiatrie, nachdem sie voller Blut gefunden wurde und unentwegt von einem Kaninchen gesprochen hat. Ihr einziger Trost ist ihr Nachbar, Hatcher, der von einem Monster spricht, das unterhalb des Psychiatrie gefangen gehalten wird und ausbrechen will. Und als eines Nachts ein Feuer ausbricht, sind sie nicht die einzigen, die die Gelegenheit nutzen, um zu entkommen ...

Äußere Erscheinung:
 
Ich mag das deutsche (und britische) Cover lieber, wenn ich ehrlich sein soll, auch wenn dieses auch was hat.

Meine Erwartung:

Als ich das Buch das erste Mal gesehen habe, wusste ich, dass ich es haben will. Düstere Horror-Adaption von "Alice im Wunderland"? Absolut mein Fall. Und dann schienen auch noch alle absolut begeistert von dem Buch zu sein, sodass ich es für perfekt für den ausklingenden grauen November hielt.

Meine Meinung:

Ich bin extrem zwiegespalten. Einerseits fand ich es toll. Andererseits würde ich es mir schwerfallen, es einfach so weiterzuempfehlen.

Aber kommen wir dazu, was ich toll fand - den Schreibstil, die Idee, die Charaktere, und überhaupt die ganze Atmosphäre. Ich habe dieses Düstere, Verdrehte absolut geliebt, dieses Abgründige, diese finstere Adaption von "Alice im Wunderland". Es war toll, die Motive aus diesem berühmten Werk des potenziellen Pädophilen Lewis Carroll zu entdecken und ihre dunkle Umsetzung zu verfolgen.

Sowohl Alice als auch Hatcher fehlen Erinnerungen, dennoch merkt man bei ihm schnell, dass er ein sehr vielschichtiger Charakter ist. Einerseits wurde er inhaftiert, nachdem er mehrere Menschen mit einer Axt umgebracht hat, und er scheut auch sonst nicht unbedingt davor, Menschen zu töten oder sterben zu lassen. Andererseits zeigt er aber auch Mitgefühl und bleibt dadurch anfangs eher undurchsichtig, aber nicht weniger faszinierend.
Die jetzt 26-jährige Alice war früher ein reiches, privilegiertes Kind, das nach zehn Jahren in ihrer Zelle (denn das ist, und es ist ein wenig schade, dass es wieder mal eine stereotypisch negative Darstellung einer Psychiatrie ist, aber das passt wohl ins World Building) nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist. Ich fand ihr Verhalten im Allgemeinen recht nachvollziehbar, sie hat Angst, zeigt aber auch Stärke.

Aber wie man hier schon merkt, gibt es kein wirklich reines Gut-Schlecht, auch bei den anderen Charakteren und Handlungen nicht, und überhaupt tun sich hier oft Abgründe auf. Verstärkt wird das nur durch die düstere Atmosphäre, und ich mochte dabei auch gerade den Schreibstil sehr, der diese sehr gekonnt rüberbringt, ebenso wie Flashbacks von Alice und überhaupt, er hat mich so ein bisschen in das Kaninchenloch gesogen und nicht wieder losgelassen.
 
Ich mochte auch Alice' Weg, ihre Entscheidungen, ihr Vorgehen, und generell die Umsetzung dieser Idee. Es hätte also wirklich ein tolles Buch sein können, wenn es nicht eine Sache gegeben hätte, die mich gestört hat: die durchgehende graphische Einbindung von sexualisierter Gewalt
Überhaupt schien sich alles um sexualisierte Gewalt zu drehen, jedes Mädchen war potenziell gefährdet oder wurde tatsächlich schon mal vergewaltigt, und ich habe gemerkt, wie leid ich es bin, dass das dafür dienen muss, ein düsteres Setting zu schaffen. Natürlich lesen sich Folter und Mord jetzt auch nicht gerade angenehm, aber irgendwie ist das was anderes, und es wird jetzt auch nicht romantisiert oder so, aber ich würde irgendwie auch gerne mal mehr Dark Fantasy bzw. Horror lesen, ohne damit rechnen zu müssen, dass immer sexualisierte Gewalt auftaucht. Und vor allem nicht in dem Ausmaß wie hier.

Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass ich die Liebesgeschichte nicht wirklich nachvollziehen konnte, aber ich konnte sie akzeptieren. Ich muss allerdings gestehen, dass sich meine Motivation, den zweiten Band zu lesen, nach all der ständigen sexualisierten Gewalt im Rahmen hält, was schade ist, weil ich diese düstere Adaption ansonsten eigentlich sehr cool fand.

Fazit: Düstere, einnehmende Adaption von "Alice im Wunderland" mit faszinierenden Charakteren, die von der ständigen sexualisierten Gewalt getrübt wird.



4 Kommentare

  1. Hi liebe Dana,

    ich hatte das Buch mit 4 Sternen bewertet, weil es mir direkt nach dem Lesen eigentlich echt gut gefallen hat. Ich mag düstere Alice-Adaptionen. Aber als ich letztens mein Bücherregal aufgeräumt habe, war ich echt lange am Überlegen, ob ich die Reihe behalten möchte. Vor allem die Szenen mit dem "Walross" fand ich für mein eigenes Empfinden hart an der Grenze - und ich bin eigentlich nicht so zimperlich... :'D Bin daher sehr unsicher, ob ich es jemals noch einmal lesen "kann"...
    Der zweite Band ist aber deutlich harmloser, gefiel mir durch das Ende aber nicht so gut...

    Liebe Grüße
    Alica

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    1. Hallo liebe Alica,

      an sich mag ich düstere Alica-Adaptionen auch, aber es war einfach viel zu viel sexualisierte Gewalt. Von daher kann ich das voll verstehen, ich denke, ich werde die Reihe auch nicht weiterverfolgen. :x

      Ganz liebe Grüße! ♥♥♥

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  2. Hallo liebe Dana,

    also ich muss ja sagen, dass das Cover dieser Fassung schon recht ... krass aussieht.

    Ich habe beide Bände von Alice gelesen und kann dir empfehlen den Folgeband vielleicht noch nicht von der Leseliste zu streichen. Die Beziehung von Hatcher und Alice entwickelt sich darin weiter. Ich muss sagen, dass es mir gefallen hat, dass es sich hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte handelte. Beide verbindet im Wesentlichen eine Zweckgemeinschaft. Sie sind füreinander da. Auf eine sehr schöne und interessante Weise, wie ich finde.

    Das mit der sexualisierenden Gewalt ist mir beim Lesen gar nicht so aufgefallen. Aber wenn man darüber nachdenkt ... . Ich bin mir gerade nicht so ganz sicher, aber ich würde mal behaupten, dass der zweite Band in dieser Hinsicht nicht immer wieder in diese Richtung anspielt

    Sehr gefallen hat mir bei dieser Reihe u.a., wie die Autorin die Charaktere - insbesondere die Bösewichte- darstellt. Sie sind eben nicht nur schwarz oder weiß und im Endeffekt sind sie dann doch gar nicht so furchteinflößend, wie es vielleicht den Anschein hatte.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo liebe Tanja,

      es hat irgendwie was, aber ... ja. xD

      Hm, ich denke, ich werde den zweiten Band trotzdem nicht lesen - die Liebesgeschichte war es ja auch nicht, die mich da am meisten gestört hat. Und ja, ich hab die Beziehung zwischen den beiden anfangs auch als eher zweckmäßig wahrgenommen, aber es gab so diesen Punkt, ab dem es plötzlich deutlich mehr war, und ich fand die Entwicklung persönlich einfach nicht so ganz nachvollziehbar.

      Ich würde es nicht mehr als nur Anspielungen verstehen, es war schon sehr graphisch ...

      Die Charaktere fand ich definitiv auch sehr faszinierend gezeichnet, da stimme ich dir zu.

      Liebe Grüße!

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