Sonntag, 28. Februar 2021

[Rezension] The Dark Descent of Elizabeth Frankenstein

"Death is never allowed to touch you." (S. 167)


Autorin: Kiersten White
Verlag: Delacorte Press
Seiten: ca. 290
Erscheinungstermin: 2018
ISBN: 978-0-525-57794-2
Gebunden mit Schutzumschlag


TW (Anklicken zum Öffnen):

graphische Darstellung von Gewalt, Mord, Tot, Verlust nahestehender Personen, Psychiatrie (stereotypisiert) (ohne Gewähr)



Inhalt:

Als Kind wurde Elizabeth von den Frankensteins aus der Armut gerettet, um die Gefährtin des ältesten Sohns Victor zu werden - und es hat seine Gründe, weswegen andere Kinder von ihm fernbleiben. Doch in ihrer Beziehung zu ihm sieht Elizabeth ihre einzige Chance auf ein gutes Leben. Nach außen stets das liebliche, lächelnde und wunderschöne Mädchen setzt sie alles daran, bei Victor zu bleiben - und so reist sie nach Ingolstadt, um ihn von seinem Studium zurückzuholen, unwissend, was er dort geschaffen hat ...

Äußere Erscheinung:

Ich mag die Optik des Covers, die Details mit den Stichen und die sonstige Schlichtheit.

Meine Erwartung:

Vor kurzem habe ich das Original für diese Adaption, "Frankenstein", gelesen und mochte es sehr gerne. Schon beim Lesen habe ich mich gefragt, ob Elizabeth wirklich so ein oberflächlicher Charakter ist und wie ihre Perspektive aussähe - und fand in diesem Buch meine Antwort, weswegen ich es unbedingt lesen wollte.

Meine Meinung:

Falls ihr eine wirklich tolle Frankenstein-Adaption lesen wollt, kann ich euch dieses Buch nur absolut empfehlen. Obwohl der Stil anders ist - moderner, jugendlicher - und der Spannungsbogen mehr unseren Konventionen entspricht, schafft es dieses Buch trotzdem so ein bisschen, die Stimmung des Originals einzufangen - die Stimmung der abgelegenen Schweizer Berger, unheimlicher Nächte und düsteren Unheils.
Einige Dialoge sind an die Originaldialoge angelehnt, der Stil ist zwar lesbarer, dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass ein Bruch entstanden wäre. Stattdessen findet sich hier eine wundervolle Adaption mit einem Schreibstil, den ich sehr gerne mochte.
 
We were, all of us, bound in this deadly and horrible dance, until we died or triumphed. (S. 212)

Ich kann empfehlen, vorher das Original zu lesen, weil ich glaube, dass man dann mehr Spaß mit diesem Buch hat. Ich war begeistert davon, wie nahe die Adaption daran bleibt, auch wenn sich Einzelheiten verändern, was die Spannung aufbaut, ob die Geschichte wie im Original endet ... oder anders ...
Dabei macht sich die Autorin zunutze, dass Victor Frankenstein seine Geschichte im Original einem anderen erzählt, denn wer weiß schon, ob er immer die Wahrheit gesagt hat. Somit hatte ich das Gefühl, die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu erleben, neue Seiten aufgezeigt zu bekommen und alles in allem wirkte es trotz kleiner Unterscheidungen stimmig.

Kiersten White greift die Monster-Thematik auf und zeigt Victor als einen Charakter, der schon als Kind Spaß am Aufschnippeln hat, und damit meine ich nicht Gemüse. In Verbindung mit Elizabeth ergibt sich damit eine ziemlich toxische Dynamik der Ko-Abhängigkeit - beide scheinen nicht ohne die jeweils andere Person leben zu können. Und das wird meiner Meinung nach unheimlich gut gezeigt, mithilfe von Rückblenden in die Kindheit, aber auch in der Chemie zwischen den beiden - und den düsteren Verhaltensweisen.
Elizabeth klammert sich an Victor, weil sie ohne ihn nichts hätte, sie vertuscht seine "Aussetzer", bringt ihm gesellschaftsfähiges Verhalten bei und verhält sich dabei absolut liebreizend, stets fröhlich - also im Prinzip genauso, wie es im Original dargestellt wird.

Doch die Autorin gibt ihr Handlungsmacht. Und so ist Elizabeth hinter der Fassade tatsächlich eher berechnend und hinterlistig, manchmal fast grausam, weil sie bereit ist, alles für ihr Ziel zu tun: bei Victor zu bleiben. Dafür lügt und manipuliert sie, und setzt als Waffen ihre bezaubernden Lächeln und das Image als harmlose, unbescholtene Frau ein. Ein Frauenbild, das im Allgemeinen reflektiert wird in der Handlung, weswegen ich das Buch auch durchaus als feministisch beschreiben würde. Und am Ende sind die sympathischsten Charaktere überwiegend Frauen.

Dabei ist die Geschichte auch düster, schafft manchmal fast besser, den Horrorfaktor rüberzubringen als das Original, was aber auch daran liegen kann, dass ich als Leserin einfach aus einer anderen Zeit stamme und sich Erzählarten verändert haben. Gleichzeitig merkt man ihr auch den Respekt vor dem Original an - und vielleicht habe ich sie gerade deswegen so geliebt.

Fazit: Tolle, düstere Frankenstein-Adaption, die die Stimmung des Originals einfängt und so nahe an diesem bleibt, dass sie wie eine alternative Sichtweise auf diesen Klassiker wirkt. Dabei wird die toxische Dynamik der Ko-Abhängigkeit zwischen den Protagonist*innen gelungen rübergebracht, gleichzeitig erhält Elizabeth deutlich mehr Handlungsmacht als in der ursprünglichen Geschichte.



6 Kommentare

  1. Ahoi Dana,

    BAMM das klingt grandios! Kommt sofort auf die Wunschliste; sobald ich dazu komme, das Buch zu reReaden, wird dieses angehangen *-* Im Februar endlich den Film über Mary Shelley geguckt :D

    Danke für die Empfehlung/diese motivierende Rezension! ♥

    Liebe Grüße
    Ronja von oceanloveR

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    1. Hallo liebe Ronja,

      ich glaube, das Buch könnte dir auch gefallen! :)
      Den Film kenne ich gar nicht, war der gut? :o

      Liebe Grüße! ♥

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    2. Das denke ich auch! Und ja, den Film fand ich echt nett :)

      LG Ronja

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  2. Hi liebe Dana,

    das Buch klingt nach einer schönen Ergänzung zum Original. Ich merke mir das mal direkt und lese es dann wahrscheinlich auch, sobald ich das Original gelesen habe (was wahrscheinlich noch etwas dauert *hust*). :D

    Liebste Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Alica,

      es ist ein wirklich tolles Buch, das ich nur empfehlen kann! Und ich hoffe, es dauert nicht allzu lange, bis Frankenstein von dir gelesen werden darf. :p

      Allerliebste Grüße zurück! ♥♥♥

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  3. Hallo Dana

    Frankenstein habe ich vor ein oder zwei Jahren auch zum ersten Mal gelesen und es hat mir auch überraschend gut gefallen. (Bei Klassikern bin ich normalerweise skeptisch :D). Von diesem Buch hier habe ich allerdings noch nie etwas gehört :D Ich muss allerdings gestehen, dass mir Elizabeth als Charakter nicht hängen geblieben ist - so wie ich das verstanden habe, kam sie im Original auch vor? Da war ich wohl mehr auf Frankenstein und sein Monster fokussiert :D

    Auf jeden Fall eine interessante Idee. Das Buch behalte ich mal im Hinterkopf :))

    Liebe Grüsse
    Mel

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