Dienstag, 2. Februar 2021

[Rezension] An Enchantment of Ravens


Autorin:
Margaret Rogerson
dt.: Rabenprinz (2020)
Verlag: Margaret K. McElderry Books
Seiten: ca. 300
Erscheinungsdatum: 2017
ISBN: 978-1-4814-9758-9
Gebunden mit Schutzumschlag


TW: (Anklicken zum Öffnen):

Mord, Tod, graphische Darstellung von Gewalt, Verlust nahestehender Personen, Blut, Folter (ohne Gewähr)



Inhalt:

Isobels Portraits sind in der Feenwelt begehrt. Die Feen können selbst nichts erschaffen, deswegen wenden sie sich immer wieder an die Menschen. Isobel kennt die Gefahren, sie weiß um die Manipulation der Feenwesen. Doch dann malt sie dem Feenprinzen Rook menschliche Gefühle in die Augen und droht damit, seinen Ruf zu zerstören - und ihr eigenes Leben ...
 
Äußere Erscheinung:
 
Ich war ursprünglich von dem Bild des Covers nicht absolut hingerissen, das änderte sich dann, als ich gesehen habe, wie wunderschön es in echt schimmert.
 
Meine Erwartung: 
 
Ich hab ja im Frühjahr "Sorcery of Thorns", das zweite Buch der Autorin, gelesen, und das Buch ist instant ein neues Lieblingsbuch von mir geworden. Um ihr Debüt bin ich anfangs etwas herumgeschlichen, aus Angst, es könnte mir nicht gefallen, aber dann siegte die Neugier, nicht zuletzt, weil ich bekanntlich Feen liebe. Da Alica es auch lesen wollte, haben wir es dann gemeinsam gelesen.
 
Meine Meinung:
 
Meine Befürchtungen gegenüber der Liebesgeschichte lösten sich in Luft auf, und eigentlich hätte ich damit nach "Sorcery of Thorns" rechnen können. Denn ähnlich wie dort wartet die Autorin auch hier mit einer unheimlich gesunden und deswegen einfach unfassbar tollen Liebesgeschichte auf. Obwohl die Konstellation nicht so ganz meinen Geschmack trifft, fing ich irgendwann an, die beiden zu shippen.
Davon abgesehen war ich aber einfach begeistert davon, dass es der Autorin gelingt, relativ typische Konstellationen so viel gesünder darzustellen, als es sonst oft der Fall ist, einfach indem es nicht dieses typische Machtgefälle gibt - und dass es das sonst gibt, fällt hier beim Lesen auf.
Stattdessen begegnen sich beide auf Augenhöhe, sie trifft auch Entscheidungen, ist ihm in manchen Aspekten überlegen, muss sich um ihn kümmern, und auch emotional gibt es keine Machtdifferenz. Das zeigt sich in Kleinigkeiten im Umgang, ist aber einfach unfassbar erfrischend und wunderschön zu lesen, und ich wünschte, ich müsste das nicht so positiv hervorheben,

Davon abgesehen konnte mich aber auch der Rest überzeugen. Ich fand die Interpretation der Feenmythen unfassbar cool. Einerseits hat es eine humorvolle Note - die Feen haben kein Verständnis für Mortalität, für Emotionen und vor allem nicht für Sarkasmus, während Isobel gerne mal Ironie benutzt. Daneben werden die Feen auch quasi zur Höflichkeit gezwungen, wie Verbeugungen, was Isobel auch gerne mal ausnutzt.
Auf der anderen Seite sind sie aber auch unfassbar düstere Wesen, und die Bilder, die die Autorin schafft, sind einnehmend und finster, aber auf eine extrem ästhetische, leicht gruselige Art und Weise, die ich absolut geliebt habe. Ich will auch gar nicht viel vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt, es wird auch mal düster und unheimlicher.

Ansonsten war das aber so ein Buch, bei dem ich sehr froh war, ein Mensch zu sein. Denn obgleich die Feen unsterblich sind und über übernatürliche Fähigkeiten verfügen, sind ihnen Emotionen fremd, und man merkt schnell, dass die Unsterblichkeit nicht wirklich cool ist. Was ich eine ziemlich tolle Message fand.
 
Isobel war auch eine sehr sympathische Protagonistin, die relativ rational Dinge durchdenkt und sich der Risiken, die sie eingeht, grundsätzlich bewusst ist. Sie reflektiert ihr eigenes Verhalten und ihre eigenen Emotionen und ich konnte bei ihr immer nachvollziehen, warum sie handelt, wie sie handelt. Sie verachtet die Feen ein bisschen, kennt die Gefahren und liebt gleichzeitig ihre Kunst.
Die Kunst ist auch ein toller Aspekt, gerade weil sie so viel Wertschätzung erfährt und als so etwas besonderes gehandelt wird, was ich sehr mochte. Übrigens nicht nur das Malen, sondern gerade die vielfältigen Arten und Weisen, wie sich Menschen künstlerisch und handwerklich ausdrücken können.

Darüber hinaus fand ich auch den Schreibstil toll, der unheimlich schön ist. Ich hatte das Gefühl, allein das Lesen der Worte hat sehr viel Spaß gemacht, hinzu kam dann noch eine mitreißende Handlung, die immer wieder auch überraschende Wendungen bereithält. Insgesamt also definitiv eine Empfehlung.

Fazit: Wunderschön geschriebene, düstere Feengeschichte mit einer sympathischen, nachvollziehbar und überlegt handelnden Protagonistin, einer hohen Wertschätzung von Kunst und einer ungewöhnlich gesunden Liebesgeschichte!



4 Kommentare

  1. Freut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! Ich fand es ebenfalls sehr schön, aber für mich kam es einfach nicht an Sorcery of Thorns ran. Mein Problem war glaube ich, dass ich die beiden kurz hintereinander gelesen habe und von Sorcery dann einfach so geflasht war :D Aber trotzdem fand ich das Buch wunderschön, und kann dir auf jeden Fall sehr zustimmen :)

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    1. Ich glaube, hätte ich das Buch direkt nach "Sorcery of Thorns" gelesen, hätte es mir auch längst nicht so gut gefallen. So bin ich von Anfang an mit geringen Erwartungen an das Buch herangegangen und konnte überrascht werden. :'D

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  2. Da kann ich dir in allen Punkten nur zustimmen! (Meine Rezension besteht bisher aus dem Coverbild, haha...) Es ist auch einfach traurig, dass ein Großteil der Liebesgeschichten immer noch den Mann als "überlegenes Wesen" darstellen, das frau erklären muss, wie sie zu handeln und zu fühlen hat... und dass die wenigsten Leser:innen das bemängeln... :/

    "Sorcery of Thorns" liegt jetzt auch endlich auf meinem aktuellen TBR-Stapel und wird demnächst begonnen! Ich bin schon sehr gespannt darauf, inwieweit es "An Enchantment of Ravens" noch überholt. :D

    Liebe Grüße
    Alica ♥♥♥

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    1. Hallo liebe Alica,

      na, immerhin. xD Ich hab aber auch noch ausstehende Rezensionen aus dem November, ich fühle das. ^^
      Ich finde, da merkt man wieder, wie sehr das doch romantisiert wird - mir fällt das auch manchmal noch schwer, bei mir selbst zu hinterfragen, sodass es mir auffällt ...

      Ahhh, ich bin so gespannt auf deine Meinung zu "Sorcery of Thorns"!!

      Alles Liebe! ♥♥♥

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