Donnerstag, 18. Februar 2021

[Rezension] Girl, Serpent, Thorn


Autorin:
Melissa Bashardoust
dt.: Die Gefangene von Golvahar (2020)
Verlag: Flatiron Books
Seiten: ca. 320
Erscheinungsdatum: 2020
ISBN: 978-1-250-19614-9
Gebunden mit Schutzumschlag


Inhalt:

Soraya ist die Schwester des Shahs, doch die meisten Menschen haben sie nie gesehen. Sie versteckt sich in den Tiefen des Palasts, denn sie hütet ein Geheimnis: Ihre Berührung ist tödlich. Soraya sehnt sich danach, diesen Fluch zu beenden, und als ihr Bruder eines Tags mit einem Div in Gefangenschaft zurückkehrt, einem der gefürchteten Wesen, die für ihren Fluch verantwortlich sind, sieht Soraya ihre Chance gekommen ...

Äußere Erscheinung:

Ich finde das Originalcover so unfassbar schön, zumal es super zu dem Titel passt! 

Meine Erwartung:

Persisch angelehnte Märchenadaption mit einer f/f-Liebesgeschichte? Das klang nach etwas, das ich lesen musste, und da es Aileen ähnlich ging, haben wir es kurzerhand gemeinsam gelesen, was sehr viel Spaß gemacht hat!

Meine Meinung:

Ich wollte dieses Buch sowieso schon unbedingt lesen und trotzdem schaffte es, mich damit zu überraschen, wie gut es war. Ich konnte es kaum erwarten, weiterzulesen, und versank jedes Mal in dieser ganz eigenen Atmosphäre.
 
Die Autorin hat ihre Fantasywelt an die persische Mythologie angelehnt. Am Ende des Buches gibt es ein Nachwort, in dem sie die genauen Adaptionen und Veränderungen aufschlüsselt und erklärt, und auf weitere Ressourcen zu dem Thema verweist. Damit entspringt die Geschichte einer (leider) eher ungewöhnlichen, deswegen aber umso faszinierenderen Inspiration, die gleichzeitig mit einer Märchenadaption verknüpft wird, die an Dornröschen erinnert - eine Prinzessin in einem Schloss, über die nur Geschichten bekannt sind, die die Welt draußen nicht kennt und sich um ihren eigenen Rosengarten kümmert.
Tatsächlich sind Märchen und Geschichten auch ein zentraler Bestandteil der Handlung - denn das Buch beginnt schon mit der Geschichte von Sorayas Fluch:

Stories always begin the same way: There was and there was not. There is possibility in those words, the chance for hope or despair. (Seite 1)

Dieses Märchenhafte zeigt sich auch in dem poetischen Schreibstil, der umso mehr dazu beigetragen hat, dass ich diese Geschichte gerne gelesen habe und dass ich in sie eintauchen konnte. Gleichzeitig geht es aber auch darum, dass Soraya mehr als eine unbescholtene Prinzessin ist; dass ihre Berührung vielmehr tödlich ist.

A delicate sympathy floated in the silence between them, like ashes falling after a fire had burned itself out. (Seite 110)

Ich mochte Soraya. Auf der einen Seite ist sie natürlich nicht allzu erfahren, dadurch, dass sie ihr ganzes Leben in den Tiefen des Palastes verbracht hat. Sie hat Angst vor ihrem Fluch und wünscht sich um alles in der Welt, ihn loszuwerden. Gleichzeitig ist sie auch entschlossen. Sie macht Fehler, bei denen man versteht, warum sie sie macht, und versucht, sie wiedergutzumachen. Gerade die Tatsache, dass sie Fehler macht und nicht perfekt ist, macht sie zu so einem realistischen, tiefgründigen Charakter.
Und das gilt tatsächlich für alle Charaktere. Keiner von ihnen ist einfach nur gut oder böse. Sie alle machen Fehler, dennoch kann man auch ihre Handlungen verstehen, und diese absolut gelungenen Charakterdarstellungen machen dieses Buch so unfassbar gut. Ich war überrascht davon, wie ich mit Charakteren plötzlich Mitleid empfand, die ich erst gehasst habe.
Darüber hinaus mochte ich übrigens auch Sorayas Entwicklung sehr. Der Konflikt in ihr zwischen ihrem Fluch und ihrem Bestreben, gut zu sein, ist extrem faszinierend, gleichzeitig wird die Gut-Böse-Trennung in der Handlung extrem infrage gestellt.

Diese konnte mich immer wieder durch unerwartete Wendungen begeistern, die ihren Anteil daran hatten, dass mich das Buch nicht mehr losließ. Immer wenn ich dachte, ich wüsste, wie es sich jetzt entwickelt, konnte mich die Handlung erneut überraschen. Dabei können einige Messages am Ende durchaus feministisch gedeutet werden. Und auch die f/f-Liebesgeschichte und ihre Entwicklung mochte ich.
Am Ende hatte ich das Gefühl, der Einzelband wäre zufriedenstellend erzählt und rund abgeschlossen worden, auch wenn ein Einteiler nicht so tief ins World Building und in die Hintergründe der einzelnen Charaktere gehen kann wie eine Reihe. Ich klappte das Buch jedenfalls mit dem Gefühl zu, eine tolle Geschichte gelesen zu haben, die zu einem gelungenen Abschluss geführt worden war.

Fazit: Poetische, an persische Mythologie angelehnte High Fantasy, die vor allem mit den sehr tiefgründigen Charakteren, deren Handlungen man alle nachvollziehen kann, die aber auch mal Fehler machen, überzeugt, mich komplett in ihren Bann riss und immer wieder überraschte!



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